Gefängnis S21 (in Phnom Penh)

Gefängnis S21 (in Phnom Penh)

Die Zeit der Herrschaft der Roten Khmer ist eines der dunkelsten Kapitel der kambodschanischen Geschichte und forderte das Leben von etwa 2 Millionen Menschen in nur fünf Jahren (das Regime dauerte von 1975 bis 1979 und endete mit dem Einmarsch der vietnamesischen Besatzungsmächte).

S21 Phnom Penh

Eines der noch heute zugänglichen Mahnmale für die Gräueltaten jener Zeit ist das ehemalige Gefängnis S21, das heute das Tuol-Sleng-Genozid-Museum beherbergt (Tuol Sleng bedeutet so viel wie „Brechnusshügel“, was der Name der Grundschule war, die sich neben dem heutigen Ausstellungs-Gebäude befand). Das Museum ist direkt in Phnom Penh und täglich für Besucher geöffnet. Die Stätte dient nicht nur dazu den Touristen diesen dunklen Abschnitt kambodschanischer Historie näher zu bringen, sondern soll auch den eigenen Landsleuten dazu dienen, dieser Schreckensherrschaft zu gedenken und die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Aus diesem Grund werden von Kambodschanern auch keine Eintrittsgelder verlangt.

Das Lager S21 wurde von „Genosse Duch“, der mit bürgerlichem Namen Kaing Guek Eav hieß (und dessen Strafe sich lediglich auf eine lebenslange Haftstrafe beschränkte, wobei er auch 2020 in Haft starb), geleitet und gilt als eins der grausamsten Gefangenenlager der jüngeren Geschichte. Neben dem Gefängnis S21 wurden unter der Herrschaft der Roten Khmer in ganz Kambodscha noch 196 Gefängnisse dieser Art errichtet: S21 erlangte aber insbesondere traurige Berühmtheit, da hier tatsächlich 18.000 Menschen eingesperrt wurden: Nur vier der Inhaftierten überlebten die Gefangenschaft (allesamt Kinder, die sich unter Wäschehaufen versteckt hatten). Ziel des Lagers war es, „systemkritische Menschen“ (und dafür reichte es schon, etwa als Lehrer, Mönch oder Professor als „zu intellektuell“ und damit dem Ziel der Roten Khmer, einen „autarken Bauernstaat“ zu schaffen, als hinderlich zu gelten) zu internieren und (zu einem großen Teil unter Folter) entsprechende Geständnisse abzunehmen.

Das Gebäude, in dem sich das Lager befand, war davor ein Gymnasium gewesen. Die Ausmaße des Lagers waren so groß, dass rund 1.700 Personen für das Gefängnis arbeiteten (etwa als Aufseher oder als Verhörer, aber auch als Bewirtschafter der Felder ringsum). Noch heute können die Besucher die unfassbar grausamen Unterbringungen und Folterwerkzeuge sehen. Außerdem sind zahlreiche Bilder der Gefangenen ausgestellt, die zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung aufgenommen wurden. Hier galt ganz oft die Sippenhaft: War ein Familienmitglied verdächtig, wurde gleich die ganze Familie in Gefangenschaft genommen, um zu verhindern, dass später Angehörige Rache nehmen konnten.

Die gezielte Tötung der Inhaftierten erfolgte nicht direkt im Gefängnis S21 (dessen vorrangiges Ziel es war, den Gefolterten falsche Geständnisse zu entlocken), sondern an den Killing Fields von Choeung Ek.

Das Tuol-Sleng-Genozid-Museum dokumentiert eindrucksvoll die grausame Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Für Touristen, die sich auch mit der Geschichte Kambodschas auseinandersetzen wollen, ist der Besuch vom Gefängnis S21 quasi ein Muss: Allerdings ist es zu empfehlen, sich schon vorab mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen, um nicht von der Heftigkeit der Bilder und der Folterwerkzeuge komplett überrollt zu werden.